LIONS CLUB WIESBADEN KURPARK - Förderung von Kindern

 
 

Stillschweigendes Potential: Hochbegabte Kinder

Autoren: Dr. Christiane Mörsel-Zimmermann, Gisela Gräfin von Schlieffen & Noah M. Farhadi 

Wir rücken eine oft vernachlässigte Gruppe ins Licht, die „hochbegabten Kinder“– unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Religion, Hautfarbe, Sprache, Kultur oder Herkunft.

 

WAS HEISST HOCHBEGABUNG?

Die Definition der Hochbegabung ist sehr kontrovers. Oft bezeichnen Eltern ihre Kinder als hochbegabt, wenn sie gute Leistungen in der Schule erbringen. In Wirklichkeit geht es jedoch um ein weit über dem Durchschnitt liegendes intellektuelles Talent gekennzeichnet durch hohe Leistungen im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern in Schulen oder Vereinen. Die differentielle Psychologie versteht unter Hochbegabung einen hohen Intelligenzquotient (IQ) – in der Regel über dem Grenzwert 130[1].

 

Das Problem

Leider ist noch recht häufig die Annahme verbreitet, dass hochbegabte Kinder sich allein aufgrund ihrer geistigen Fähigkeiten in jedem Falle und unter allen Bedingungen erfolgreich entwickeln können.

Diese Kinder verfügen zwar oft über das Potential zu außergewöhnlichen Leistungen, dennoch bleibt es offen, ob sie diese Leistungen auch erbringen können. Das Ganze hängt von der individuellen Förderung und dem Umfeld dieser Kinder ab. Doch Hochbegabte, unabhängig ihrer Herkunft, werden häufig nicht erkannt. Ihre Fähigkeiten bleiben oft versteckt, wenn sie in sozial schwachen oder nicht integrierten Familien heranwachsen. Ohne Zweifel: Die Unterforderung der Hochbegabten führt häufig zu eher schlechten schulischen Leistungen, weil sie ihre Interessen außerhalb der Schule verfolgen, sich langweilen und keine Notwendigkeit sehen, die Lernstoffe zu verstehen.

Wenn es uns gelingt, Hochbegabte frühzeitig zu identifizieren – ganz gleich ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft – dann können wir die Basis für eine humane, soziale und wirtschaftliche Entwicklung unserer Gesellschaft etablieren.

Hochbegabte Kinder sind in allen sozialen Schichten zu finden. Eine besondere Herausforderung ist die Integration von ausländischen Hochbegabten. Denn ihre Begabung ist oft aufgrund der sprachlichen Barrieren und/oder der Schwierigkeiten beim Abgleich ihrer schulischen Leistungen in ihren Heimatländern noch schwieriger zu erkennen.

 

FLÜCHTLINGSKINDER

Über 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. 2016 wurden über 183.194 Kinder und Jugendlich unter 18 in Deutschland als Asylsuchende erfasst. Sie kommen aus Krisenländern, etwa aus Syrien, Irak und Afghanistan. Die meisten dieser Kinder haben in ihrer Heimat keine institutionelle Förderung erfahren. Dass es ein großes Potential bei Flüchtlingen gibt, sieht man in den Statistiken: Basierend auf der Annahme, dass 2% der geflüchteten Kinder als „hochbegabt“ gelten, kann Deutschland mit ca. 3.664 hochbegabte Neuankömmlingen allein im Jahre 2016 rechnen.

Gelangt die Begabtenförderung zu den geflüchteten Kindern? Sehr selten, oder gar nicht. Fest steht: Begabte Flüchtlingskinder fallen meist durch das Raster.

 

Vorwärtsdenken

Werden hochbegabte Kinder und Jugendliche rechtzeitig identifiziert und gefördert, entwickeln sie sich in der Regel zu „kreative und leistungsstarke Mitglieder“ unserer Gesellschaft. Diese können erheblich zum Erfolg unseres Lands im internationalen Wettbewerb beitragen.

Unser zukunftsorientierter Ansatz umfasst eine Reihe von Aktivitäten, unter anderem:

  • Unterstützung von Projekten und Seminaren – unsere Club-Mitglieder halten regelmäßig Vorträge an der Begabtenakademie in Wiesbaden
  • Wissenstransfer über Hochbegabung – hierzu finden Diskussionen in unseren Veranstaltungen statt. Ziel ist es, eine Sensibilisierung unserer Gesellschaft über das stillschweigende Potential dieser Kinder in unserem Land herzustellen.
  • Hilfe zur Selbsthilfe für Eltern und Kinder, insbesondere wenn diese mit sprachlichen oder kulturellen Barrieren konfrontiert sind.

Sprechen Sie mit uns. Wir freuen uns auf Ihr Feedback und Ihre Kontaktaufnahme.

 

 

 

 

[1] Jutta Billhardt: Hochbegabung – Definition Hochbegabtenförderung e. V., abgerufen 30. Mai 2009.